Im Erbgut von Spermien und Eizellen befinden sich nicht nur Gene, sondern auch epigenetische Anweisungen. Dabei handelt es sich um molekulare Schalter, die bestimmte Gene an- und ausschalten. Epigenetik-Forscher sind überzeugt: Eltern können traumatische Erfahrungen an ihre Kinder weitergeben, wenn Ängste das Epigenom der Geschlechtszellen verändern.

„Nach der gängigen Theorie übertragen sich Ängste ähnlich wie eine Spinnenphobie“, schreibt Epigenetik-Fachmann Peter Spork im Februar-Heft von bild der wissenschaft. „Während sensibler Phasen lernen Kinder, wovor ihre Bezugspersonen Angst haben und übernehmen deren Gefühle.“ Doch die Epigenetik-Forschung zeigt, dass es noch eine tiefere Ebene gibt. Epigenetische Steuersignale in Form von DNA-Methylierungen, Histon-Modifikationen und Mikro-RNAs verändern die Häufigkeit, in der bestimmte Gene abgelesen werden. Wie sich das in späteren Generationen äußert, ist ganz unterschiedlich. Manchmal sind die Nachkommen besonders stressempfindlich, oder sie verspüren in bestimmten Situationen eine Angst, die sie sich nicht erklären können.

„Ohne zu wissen warum“, nennen die Therapeuten Gabriele Frick-Baer und Udo Baer dieses Phänomen. Zu ihnen kommen Menschen, die den Zweiten Weltkrieg nicht persönlich erlebt haben, aber dennoch darunter leiden. Im Interview mit der langjährigen bdw-Autorin Bettina Gartner, das ebenfalls in der Februar-Ausgabe erschienen ist, berichten die Therapeuten, wie Kinder und Enkelkinder ihr geerbtes Leid überwinden können.

Vor rund fünf Jahren prognostizierte Peter Gruss, früherer Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, dass die Epigenetik irgendwann die molekularbiologische Erklärung für die international belächelte „German Angst“ liefern würde – womöglich wird er recht behalten.

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