Für Fachleute · Ratgeber
Selbstzahler-Praxis aufbauen
ehrlich gerechnet, fair finanziertDu willst Menschen helfen, die im Kassensystem keine Begleitung finden. Kann man davon leben? Ja, aber es ist ein schweres Feld. Dieser Ratgeber sagt, warum, und wie es trotzdem tragfähig wird.
01 ·Ehrlich
Kaum ein Feld, in dem es schwerer ist, Geld zu verdienen.
Wer einfaches Geld sucht, ist hier falsch. Fünf Gründe, die du vorher kennen solltest:
Deine Kundinnen zahlen selbst
Andere Leistungen wirken „kostenlos“, weil die Kasse sie zahlt. Du wirst die Frage hören, warum man für deine Arbeit zahlen soll.Du musst Vertrauen ohne Kassenzulassung aufbauen
Viele Menschen kennen als Qualitätsmerkmal nur die staatliche Zulassung. Du brauchst eine Sprache, die erklärt, was du tust und was nicht.Dienstleistung hat schmale Ränder
Ausfälle, Absagen und Vorbereitung kosten Zeit, die niemand bezahlt. Wer nur Stunden verkauft, stößt schnell an eine Decke.Verwaltung und Steuern sind hoch
Buchhaltung, Rechnungen, Verträge und Steuern brauchen einen spürbaren Teil deiner Zeit, und ein großer Teil des Umsatzes bleibt nicht bei dir.Ergebnisse darfst du nicht bewerben
Auch wenn Menschen sich besser fühlen: Ergebnisse an einer Krankheit stehen nie in deiner Werbung. Du versprichst einen Zustand, eine Fähigkeit, ein Erleben.
Es gibt auch gute Gründe, dieses Feld zu betreten: Du siehst eine echte Lücke, und viele Menschen suchen Schritt für Schritt Begleitung, die sie bisher nicht finden. Damit daraus eine tragfähige Praxis wird, braucht es Wissen über das Feld, ein klares Angebot und eine ehrliche Kalkulation.
02 ·Zwei Systeme
Zwei Systeme mit zwei Aufgaben
Die gesetzliche Kasse arbeitet statistisch, und das ist so gewollt. Ihre Leistungen müssen „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ sein (§ 12 SGB V), behandelt wird nach Leitlinien aus Studien an Gruppen. Dieses System schützt alle, unabhängig vom Geldbeutel, es fängt Notfälle auf und behandelt schwere Erkrankungen.
Was es nicht leisten soll, ist die monatelange, individuelle Begleitung eines Menschen. Dort arbeitet die Selbstzahler-Praxis: Sie fragt nicht, was für eine Gruppe reicht, sondern was dieser eine Mensch braucht, und misst seine Antwort.
„Die Kasse ist dein Partner, nicht dein Gegner.“
Über die gesetzliche oder private Kasse rechnest du als Mentor nicht ab; deine Kundinnen zahlen selbst. In einzelnen Gesundheitszentren gibt es Modelle, in denen eine Ärztin Leistungen im Rahmen ihrer ärztlichen Verantwortung delegiert. Ob das trägt, entscheidet die Ärztin, nicht du.
03 ·Fair finanzieren
Fair finanzieren statt querfinanzieren.
Irgendjemand bezahlt immer. Wer „gerne kostenlos“ hilft oder unter Marktpreis arbeitet, lässt jemand anderen zahlen: die Familie, einen Zweitjob, das Ersparte oder die eigene Gesundheit. Das hält nicht, und es hilft dem Feld nicht, weil niemand sieht, welche Angebote wirklich tragen.
Ein faires Angebot macht drei Menschen zufrieden:
- Die Kundin bekommt für das versprochene Ziel einen guten Preis im Vergleich zu anderen Lösungen.
- Wer die Arbeit macht, wird im Marktvergleich fair bezahlt, auch wenn du es selbst bist.
- Wer das Risiko trägt, wird mit Gewinn belohnt. Sonst baut niemand solche Angebote auf.
Lieber keine Kundin als eine unwirtschaftliche: Zu niedrige Preise bekommst du später kaum angehoben, und du zahlst sie mit deiner Energie.
04 ·Formate
Formate statt Zeit gegen Geld
Im 1-zu-1 musst du für eine Stunde Lebensstilberatung mindestens rund 120 € nehmen, damit sie sich lohnt. Für viele Menschen ist das zu viel. Ein Workshop von drei Stunden zum Thema Schlaf mit 15 Menschen zu je 99 € gibt jedem mehr Zeit, mehr Gleichgesinnte und mehr Praxis, und kostet sie weniger. Dein Umsatz je Stunde steigt dabei auf rund 500 €, vor Kosten und Steuern.
Darum denken CHRONISCH GESUND Praxen in Formaten: ein kostenloser Einstieg, ein regelmäßiger Abend zum Kennenlernen, Workshops zu einem Thema, ein ganzer Tag in Theorie und Praxis und, für wirkliche Veränderung, Begleitung über Monate. Fang nicht mit allem an. Ein Format zum Kennenlernen und eines, das du verkaufst, reichen für den Start.
05 ·Rechnen
Was du vor dem ersten Preis rechnen solltest
Umsatzsteuer einplanen
Mentoring und Coaching sind in der Regel umsatzsteuerpflichtig; steuerfrei sind Heilbehandlungen in Heilberufen. Bei 19 % sind von jedem eingenommenen Euro knapp 16 Cent Steuer, die du nur weiterreichst. Die Kleinunternehmerregelung gilt bis 25.000 € Umsatz im Vorjahr und 100.000 € im laufenden Jahr.Nur einen Teil der Zeit bezahlt
Rechne damit, dass nur rund 70 % deiner Arbeitszeit bezahlte Arbeit sind. Der Rest ist Verwaltung, Marketing und Vorbereitung.Rücklagen bilden
Viele Steuern werden erst im Folgejahr festgesetzt. Lege das Geld dafür von Anfang an auf ein eigenes Konto.Die Faustregel prüfen
Ein Angebot trägt sich, wenn du Mitarbeitenden 50 € brutto je Stunde oder mehr zahlen könntest und über 30 % Gewinn für das unternehmerische Risiko bleibt.
Allgemeine Orientierung, keine Steuerberatung. Wie viel bei dir bleibt, hängt von Einkommen, Rechtsform und Lebenssituation ab; das rechnest du mit deiner Steuerberaterin.
06 ·An der Linie
Werben, was du wirklich anbietest
Das Heilmittelwerbegesetz fragt, was deine Werbung verspricht. Versprich einen Zustand, eine Fähigkeit oder ein Erleben, nie ein Ergebnis an einer Krankheit. Statt „Mein Programm wirkt entzündungshemmend“ sagst du: „Verstehen, was in deinem Körper passiert, und Bewegung finden, die dir guttut.“
Sprich offen über Geld: was im Preis enthalten ist, wie lange es läuft und wie man aussteigt. Ein Ergebnis garantierst du nicht. Und biete keiner Ärztin Geld oder andere Vorteile dafür, dass sie dir Menschen schickt; das ist verboten.
07 ·In der Grundausbildung
Was Modul 9 dir dafür mitgibt
Modul 9 der Grundausbildung ist kein Theoriemodul. Am Ende hast du fünf Ergebnisse in der Hand:
- deine Position an der rechtlichen Linie,
- dein Zielversprechen: für wen du arbeitest, wohin und wie,
- ein Format mit Kalkulation,
- deinen Außenauftritt mit Seite, Anzeige und Gesprächsleitfaden,
- deine ersten Gespräche mit Kundinnen.
Willst du eine Praxis, die sich trägt?
Im Infocall sprechen wir über deine Ausgangslage, deine Ziele und darüber, ob die Grundausbildung der richtige nächste Schritt ist.
20 Minuten, kostenlos. Danach kennst du Ablauf, Zeitaufwand und Kosten.